A-Klarinette (C) Achim Hohlfeld.
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A-Klarinette (Schwenk & Seggelke Bamberg), stark verkleinerte Abbildung B-Klarinette (Schwenk & Seggelke Bamberg), stark verkleinerte Abbildung
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Alle heute gebräuchlichen Klarinettentypen

Hier ist auf zwei völlig verschiedene Themen einzugehen: I. Stimmungen und II. Systeme.

I. Klarinetten unterschiedlicher Stimmung

Wie oben beschrieben, wird die Klarinette seit je her in unterschiedlichen Grundstimmungen gebaut. Heute sind davon im Gebrauch:

  • As-Klarinette
    (transponiert eine kleine Sexte [acht Halbtöne] nach oben - von notiert c’ nach klingend as’)
  • G-Klarinette
    (transponiert eine reine Quinte [sieben Halbtöne] nach oben, von c nach g), auch “Picksüßes Hölzl” genannt und in der österreichischen Schrammel- und Volksmusik verwendet
  • Es-Klarinette
    (transponiert eine kleine Terz [drei Halbtöne] nach oben, von c’ nach es’), Verwendung in der Spätromantik und Militär-/Blasmusik
  • D-Klarinette
    (transponiert eine große Sekunde [zwei Halbtöne] nach oben, von c’ nach d’), heute selten verwendet
  • C-Klarinette
    (transponiert ausnahmsweise nicht, der notierte Ton entspricht dem klingenden), heute selten verwendet bzw. wegen ihrer Größe als Anfängerinstrument für acht- bis elfjährige Schüler verbreitet
  • B-Klarinette
    (transponiert eine große Sekunde [zwei Halbtöne] nach unten, von c’ nach b), am meisten verbreitetes Instrument der Klarinettenfamilie; immer häufiger liest man für sie die Bezeichnung “Sopran-Klarinette”
  • A-Klarinette
    (transponiert eine kleine Terz [drei Halbtöne] nach unten, von c’ nach a), neben der B-Klarinette in Sinfonik und Kammermusik verbreitet und ein Muss für jeden Sinfonieorchester- und Kammermusik-Klarinettisten; im Übrigen meine Lieblingsversion und daher Namensgeberin dieser Internetseiten [davon abgesehen, dass alle anderen einfachen Domainnamen anderweitig vergeben sind]
  • Alt-Klarinette
    (transponiert eine große Sexte [neun Halbtöne] nach unten, von c’ nach es); sie ist sehr selten gebräuchlich - in ihrer Stimmlage wird eher das Bassetthorn verwendet - und dürfte am ehesten in sinfonischer Blasmusik anzutreffen sein
  • Bassetthorn
    (transponiert eine reine Quinte [sieben Halbtöne] nach unten, von c’ nach f); W. A. Mozart liebte es sehr und verwendete es bspw. im Requiem (KV 626), heute entdeckt man es für Kammermusik wieder neu
  • Bassklarinette
    (transponiert eine Oktave plus eine große Sekunde [14 Halbtöne] nach unten, von c’ nach B, ist also eine Oktave tiefer als die B-Klarinette oder, anders ausgedrückt: doppelt so tief); in sinfonischen Werken der Romantik und sog. Moderne oft und in der sinfonischen Blasmusik gerne verwendet, ebenso so im Jazz neuerer Zeit zu finden
  • Kontra-Altklarinette
    (transponiert eine Oktave plus eine große Sexte [21 Halbtöne] nach unten, von c’ nach Es, ist also um mehr als anderthalb Oktaven tiefer als die B-Klarinette)
  • Kontrabassklarinette
    (transponiert zwei Oktaven plus eine große Sekunde [26 Halbtöne] nach unten, von c’ nach Kontra-B, ist also zwei Oktaven tiefer als die B-Klarinette, oder, anders ausgedrückt: viermal so lang), der absolute Exot in der Klarinettenfamilie; der tiefste klingenden Ton entspricht der tiefsten schwarzen Taste auf dem Klavier

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II. Klarinetten unterschiedlicher Bauweisen (Systeme)

B-Klarinette (Schwenk & Seggelke Bamberg, Modell 2000W; mit Mundstück); Foto: Achim HohlfeldDenners Erfindung (circa anno 1700 n. Chr.) breitete sich im 18. und 19. Jahrhundert, für damalige Verhältnisse rasch, in ganz Europa aus. Klang und Spielbarkeit wurden dabei durch die ortsansässigen Instrumentenbauer und Instrumentalisten fortlaufend weiterentwickelt, unter Einbeziehung aller Parameter des Instrumentes: Mundstück, Blatt, Bohrungsverlauf, Anordnung der Tonlöcher, Material des Instrumentenkorpus. Von besonderer Bedeutung war auch die ständige Weiterentwicklung - zunächst als Erweiterung - des Klappenmechanismus, um vorerst überhaupt einmal alle Töne der chromatischen Tonleiter greifen zu können. Zugleich wurde dabei versucht, Klang und Intonation der einzelnen Töne zu optimieren sowie ergonomische, herstellungstechnische und mechanisch-funktionale Aspekte zu berücksichtigen. Das Ergebnis waren unterschiedliche Konstruktionsweisen bei Mundstück, Blatt, Bohrung, Tonlochabständen, Material und Klappenmechanismus. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier je nach Werkstatt und Klarinettist viele unterschiedliche Lösungsansätze, die nebeneinander Verwendung fanden. Allerdings bildeten  sich nach und nach regional verschiedene Typisierungen heraus.

Heute, und schon für das 20. Jahrhundert prägend, kennen wir zwei grundverschiedene Bauweisen: In Deutschland und Österreich das sog. “deutsche System”, in allen anderen Ländern das sog. “französische System”. Beide unterscheiden sich am deutlichsten im Hinblick auf die Bohrung und den Klappenmechanismus, so dass sie mit verschiedenen Mundstücken (und Blättern) gespielt werden müssen; auch ist die Griffweise bei etlichen Tönen unterschiedlich. Das französische System wird häufig mit Theobald Böhm (Flötist, Instrumentenbauer 1794-1881), in Verbindung gebracht, so dass sich dafür die alternative Bezeichnung “Böhm-Klarinette” durchgesetzt hat. Das deutsche Klarinettensystem wird heute geprägt durch Oskar Oehler (Berliner Klarinettist, 1858-1936), der zur Verbesserung von Klang und Intonation des Gabelgriffs der Töne b und f’’ einen speziellen Klappenmechanismus für das Unterstück der Klarinette mit Griffdeckel statt offenem Tonloch für den rechten Mittelfinger entwickelte, den sog. Oehler-Mechanismus (1905 Gebrauchsmusterschutz). Die in Österreich gebräuchlichen Klarinetten deutschen Typs unterscheiden sich von ihren Schwestern in Deutschland bei Bohrung, Mundstück und Blättern sowie durch den Verzicht auf den Oehler-Mechanismus, weshalb man hier von der “Wiener Klarinette” spricht; die Griffweise beider Bauweisen ist aber identisch.

Die von Oskar Oehler begründete Bautradition gilt heute in Deutschland als das Maß der Dinge, wobei gerne die Werkstatt H. Wurlitzer (Neustadt an der Aisch) als Referenz genannt wird, von der - immer noch - viele meinen, es gäbe keine bessere in Deutschland. Indes gibt es durchaus weitere namhafte Manufakturen, welche die deutsche Bautradition ebenso beherrschen bzw. die bei Fritz (1888-1984) und Herbert (1921-1989) Wurlitzer und andernorts gewonnenen Erfahrungen im eigenen Klarinettenbau umsetzen und exzellente Instrumente anbieten. Vor allem seit den 1990er Jahren konnte sich eine Anzahl Hersteller neben der Marke Herbert Wurlitzer als ebenbürtig etablieren (ich nenne sie gerne “Premium-Hersteller” und rechne insbesondere Schwenk & Seggelke, Harald Hüyng, Wolfgang Dietz, Leitner & Kraus sowie Rolf Meinel dazu).

Sowohl für das französische als auch für das deutsche System haben sich Instrumentenbauer gefunden, die Überkommenes in Frage stellen und von den gebräuchlichen Konstruktionen abweichen - und z. B. “Böhm” und “Oehler” einander annähern oder in Vergessenheit geratene  Patente und Problemlösungen früherer Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts nach dem heutigen Technik- und Erkenntnisstand in ihre Konstruktionen einbeziehen. Denn auch wenn zwei Klarinettensysteme den Markt international dominieren, so bieten doch beide in ihrer jeweils traditionellen Bauweise nicht für alle Problemstellungen des Klarinettenbaus die idealen Lösungen. Die Entwicklung der Klarinette ist auch 300 Jahre nach ihrer Erfindung nicht abgeschlossen!

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© Achim Hohlfeld | Internet- und Konzertdienstleistungen | D-44627 Herne | (P) 2010-07-14

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