A-Klarinette (C) Achim Hohlfeld.
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A-Klarinette (Schwenk & Seggelke Bamberg), stark verkleinerte Abbildung B-Klarinette (Schwenk & Seggelke Bamberg), stark verkleinerte Abbildung
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Die Klarinette ...

C-Klarinette (A. Lecomte, Paris, "Excelsior",  um 1900, rest. 2009; neue Birne und modernes Mundstück mit Kapsel); Foto: Achim Hohlfeld. 2009-07-28... wird gewöhnlich zur Gattung der Holzblasinstrumente gezählt. Das heißt, dass die Töne (Klänge) mittels Holz erzeugt werden. Töne (Klänge) sind physikalisch nichts anderes als schwingende Luft. Und so setzt man die im Inneren des Instrumentenkorpus befindliche Luftsäule in Schwingungen, indem man auf dem schnabelähnlichen Mundstück (früher aus Holz, heute meist aus Kautschuk [Kristallglas und Holz sind auch im Gebrauch]) ein dünnes Holzblättchen befestigt (mittels Schnur, Blattschraube oder Ligatur). Dieses Holzblättchen besteht aus getrocknetem und passend zurecht geschnitztem Schilfrohr (arundo donax). Dann umschließt man das Mundstück samt einfachem Rohrblatt mit den Lippen und führt die Atemluft so kontrolliert und zielgerichtet durch den zwischen Mundstück und angefeuchtetem Blatt verbleibenden Spalt in das Instrument, dass das Blatt in Schwingungen gerät. Dadurch wird die Luft im Instrumentenkorpus in Schwingungen versetzt und es entsteht - ein Ton (wenn man es richtig macht). (Wer das Saxophon kennt, wird feststellen, dass das da genau so geht.)

Unterschiedlich hohe Töne entstehen durch unterschiedlich lange / kurze Luftsäulen bzw. durch unterschiedlich schnell schwingende Luft. Der Kammerton a’ zum Beispiel entspricht einer Schwingungsfrequenz von 440 Hertz (Hz = Schwingungen pro Sekunde; wobei heute meist etwas höhere Frequenzen wie 442 Hz oder 443 Hz gebräuchlich sind). Der Ton a’’, eine Oktave höher, ist doppelt so hoch und schwingt daher mit 880 Hz (bzw. 884 oder 886 Hz).
Zur Veränderung der Länge der Luftsäule öffnet oder schließt man die im Instrumentenkorpus befindlichen Löcher mit den fünf Fingern der linken Hand sowie den vier Fingern der rechten Hand; der rechte Daumen hat meistens nur die Funktion, das Instrument (die B-Klarinette wiegt zirka 750 Gramm) zu stützen. Wegen der Gesamtlänge der Klarinette ist es nicht möglich, alle Tonlöcher mit den Fingern direkt zu erreichen. Auch können mittels der mit den Fingern direkt erreichbaren Grifflöcher nicht alle in unserem tradierten Tonsystem gebräuchlichen Töne “gegriffen” werden. Daher gibt es, je nach Bautradition und Hersteller unterschiedliche und unterschiedlich viele, Klappen, die das Erreichen weiter entfernter Grifflöcher oder zusätzliche Kombinationen von offenen / geschlossenen Tonlöchern ermöglichen.

Der Instrumentenkorpus besteht - üblicherweise - aus Holz: Heutzutage wird dafür meist Grenadill verwendet, aber auch Buchsbaum, Cocobolo und andere Hölzer hoher Dichte und Festigkeit, die eine präzise Verarbeitung ermöglichen, Robustheit und gute Klangeigenschaften besitzen, kommen zum Einsatz. Alternativ werden Klarinetten aus Ebonit, einem speziellen Kunststoff, angeboten, meist aber solche im niedrigsten Preis- und Qualitätssegment (um das man einen großen Bogen machen sollte) oder für den Einsatz Draußen bei Wind und Wetter.

Anders als bei Oboe, Saxophon, Fagott ist die Innenbohrung des Instrumentenkorpus nicht konisch, also am Anfang (Mundstück) eng und am Ende (Schallbecher) weit, sondern weitestgehend zylindrisch, das heißt gleichbleibend. Erst kurz vor Ende des Korpus, mit Erreichen des Schallbechers, weitet sich die Bohrung, und geht dann in diesen über.

Klarinetten bestehen von oben nach unten aus
 - Mundstück, zirka 7 Zentimeter
 - Birne (Fass), zirka 6 Zentimeter
 - Oberstück, zirka 19 Zentimeter
 - Unterstück, zirka 22 Zentimeter
 - Schallbecher (Trichter), zirka 11 Zentimeter
Der Bohrungsdurchmesser beträgt knapp 15 Millimeter. Der Außendurchmesser des Korpus liegt bei etwa 30 Millimetern. Am Ende des Schallbechers beträgt der Innendurchmesser zirka 55 Millimeter, der Außendurchmesser etwa 80 Millimeter. Das sind aber nur ungefähre Längenangaben, die sich auf die B-Klarinette in deutscher Bauweise beziehen und je nach Hersteller und Bauweise variieren.

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Direkt mit den Fingern werden maximal sieben Tonlöcher abgedeckt. Die übrigen Tonlöcher (je nach Instrument über 20) werden mit Hilfe von gepolsterten Klappen geschlossen. Für die Polsterung wird Leder, sogenannte Fischhaut (die alles andere als Fischhaut ist) oder spezielles Silikon (zum Beispiel unter der Firmenbezeichnung Quarzresonanzpolster) verwendet. Die Klappen bestehen aus geschmiedetem (oder gegossenem) Stahl und sind in aller Regel versilbert.

Die Klarinette geht auf Erfindungen aus der Werkstatt von Johann Christoph Denner aus Nürnberg um 1700 n. Chr. zurück und wurde in den seither vergangenen drei Jahrhunderten ständig weiterentwickelt. Aber auch die sogenannten historischen Instrumente werden heute wieder (nach-) gebaut und erfreuen sich über Fachkreise hinaus wachsender Beliebtheit,  lassen sie doch Klangkultur und Erfindungsreichtum längst vergangen geglaubter Epochen wieder lebendig werden - sowohl für das Publikum als auch den ausführenden Klarinettisten.

Erstmals nennenswerte Verwendung fand die Klarinette in der Musik von W. A. Mozart in den Spätwerken von J. Haydn. Als Orchesterinstrument wurde sie früh in der Mannheimer Hofkapelle eingesetzt und trug so sicher ihren Teil zur “Mannheimer Schule” des Orchestermusizierens und Komponierens bei. Aus der klassischen Musik sind die bedeutendsten Werke das Konzert für Klarinette und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart (A-Dur, KV 622), die Konzerte und das Concertino für Klarinette und Orchester von Carl Maria von Weber sowie die spätesten Kompositionen von Johannes Brahms (opp. 114, 115 und 120 für Klarinette, Violoncello und Klavier, für Klarinette und Streichquartett, sowie für Klarinette und Klavier) sowie viele andere. Heute wird sie neben Sinfonik, Opern/Operette, Kammermusik auch in der Blasmusik aller Facetten, im Jazz, im Militär und in der unterhaltenden Musik eingesetzt. Sie zeichnet sich so gegenüber Oboe und Fagott durch ihre Vielseitigkeit aus, muss aber ihrer späten Erfindung wegen bei Musik bis zur Epoche des Barock entbehrt werden.

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Die Klarinette ist ein transponierendes Instrument. Das heißt, dass ein anderer Ton klingt als in den Noten notiert ist - so kann man, praktischerweise, auf allen Klarinetten die gleichen Griffe für die gleichen Töne nutzen. Das hat insbesondere historische Gründe. Weil in der Frühzeit des Instrumentes ein gegenüber heute nur rudimentärer Klappenmechanismus verfügbar war und damit nicht alle Töne beziehungsweise nicht alle Töne problemlos gespielt werden konnten, baute man Klarinetten unterschiedlicher Stimmung, um dennoch alle von den Komponisten gewünschten Tonarten einigermaßen bequem auszuführen zu können.
Auch wenn der heute verfügbare Stand der Technik ein sehr ausgefeiltes Klappensystem und damit das Spielen aller Tonarten auf derselben Klarinette ermöglicht, so hat man doch die unterschiedlichen Stimmungen beibehalten. Manches greift und spielt sich in einer Klarinette einer anderen Stimmung dann eben doch leichter (weil weniger Vorzeichen zu beachten sind). Und - ganz wichtig - Klarinetten unterschiedlicher Stimmung haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Gesamtlänge und Bohrungsdurchmesser auch unterschiedliche Klangfarben, Klangcharaktere und Tonumfänge. Auch das war von Anfang an und ist bis heute ein triftiger Grund, eine  Klarinette einer bestimmten Grundstimmung zu verwenden und nicht ausschließlich die B-Klarinette als die heute am weitesten verbreitete. Vielen Komponisten täte man Unrecht, ersetzte man bei der Aufführung die von ihnen vorgeschriebene Klarinette durch eine solche anderer Stimmung.

Eine Seltenheit ist die Klarinette unter den Holzblasinstrumenten (neben Flöten, Oboen, Fagotte, Saxophone) insofern, als sie die einzige unter ihnen ist, die in die Duodezime überbläst. Alle anderen überblasen in die Oktave.
Was heißt “Überblasen”? Der Tonumfang und die Tonhöhe wird durch die Länge der Luftsäule bzw. durch Veränderung der Luftsäule im Instrument bestimmt. Durch Überblasen erhält man zusätzliche Töne. Das Überblasen kann mit Hilfe des Atemdrucks ausgeführt werden, jedoch wird zur Vereinfachung und Präzisierung an modernen Holzblasinstrumenten eine Überblasklappe angebracht, die am oberen Ende des Instrumentes ein Tonloch öffnet, mit dem linken Daumen bedient wird (bei der Blockflöte öffnet man das linke Daumenloch zur Hälfte) und das Überblasen präziser und ohne wesentliche Änderung des Atemdrucks gestattet.
Greift man einen Ton, zum Beispiel das c’, und drückt dann diese Überblasklappe (oder überbläst), so ertönt bei allen anderen Holzblasinstrumenten ein doppelt so hoher Ton: Im genannten Beispiel das c’’, genau eine Oktave (zwölf Halbtonschritte, der erste Oberton) höher. Nur bei der Klarinette erklingt dann ein um eine Duodezime (19 Halbtonschritte, der zweite Oberton) höherer Ton, im Beispiel das g’’. Dadurch vergrößert sich gegenüber Flöte, Oboe und Saxophon der Gesamtumfang des Instrumentes deutlich, allerdings wird auch die Griffsystematik anspruchsvoller, da gleichnamige Töne in unterschiedlichen Oktaven unterschiedlich zu greifen sind.

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Die Blasinstrumente des Orchesters:

Im Umfeld ideologisch höchst fragwürdigen Gedankengutes, aber inhaltlich dennoch nicht zu beanstanden, erschien im Februar 1930 zu Berlin die “Zeitschrift des Reichsbundes Deutscher Orchestervereine e. V.” (heute, jener ideologischen Fragwürdigkeit entledigt: “Das Liebhaberorchester”, Zeitschrift des Bundesverbandes Deutscher Liebhaberorchester - BDLO) mit folgendem Artikel von Hans Helfritz:

    “Die Blasinstrumente des Orchesters: Instrumente mit Rohrblattmundstücken

    Das Problem der Tonerzeugung bei unseren Rohrblattinstrumenten ist folgendes: Durch eine Oeffnung, die durch ein elastisch schwingendes Blatt fast ganz verschloßen ist, läßt der Bläser die Luft in das Instrument langsam hineinströmen. Hierbei drückt der Luftstrom das elastische Blatt ab, worauf es sofort wieder zurückschnellt. Dieser Vorgang wiederholt sich in einem bestimmten Rhythmus, der sich wiederum auf die in der Tonröhre eingeschloßene und in Schwingung versetzte Luftsäule überträgt. So entsteht der Ton. Die Tonhöhe hingegen hängt erstens von der Länge des Blattes und zweitens von der Länge der Luftsäule ab. Je länger das Blatt, desto langsamer gerät es in Schwingung und desto tiefer wird der Ton. Je kürzer es ist, desto mehr Schwingungen sind möglich und desto höher wird er Ton. Durch Grifflöcher und Klappen, die an den Tonröhren angebracht sind, ist es möglich, eine chromatische Skala zu blasen, aber nur innerhalb einer Oktave. Das genügt aber nicht. Will man die höheren Töne erhalten, so geschieht das durch Ueberblasen des Tones. Durch engeren Lippenschluß, nicht durch stärkeres Blasen, wird die Luftmaße verringert, die Luftstromgeschwindigkeit aber gesteigert. Hierdurch entstehen bei der schwingenden Luftsäule (ähnlich wie bei den Flageolettönen auf Saiteninstrumenten) Knotenpunkte, die die Luftsäule in Schwingungsbäuche teilt. Man erhält so durch Ueberblasen zuerst die Oktave, dann die Duodezime, die zweite Oktave usw. Der erste Ueberblaston der Klarinette ist die Duodezime, also eine Quinte höher. Man nennt diese Eigentümlichkeit der Klarinette das Quintieren. [...]

    Die Klarinette ist ein verhältnismäßig junges Instrument, sie ist um 1700 von Joh. Chr. Denner in Nürnberg erfunden worden. Den Namen gab er seinem Instrument als Diminutiv von ‘Clarino’, womit man früher die hohen Trompeten bezeichnete. Die Klarinette wurde bald als ausgezeichnetes Orchesterinstrument überall aufgenommen. Im Militärorchester ist sie melodieführend und hat allmählich die früher dominierende Oboe verdrängt. Durch Anbringung eines Ueberblaseloches hat das Instrument seinen großen Tonumfang (von e - a’’’) erreicht, durch den es sich vor den anderen auszeichnet. Der Klang der Klarinette übertrifft an Ausdrucks- und Modulationsfähigkeit alle anderen Blasinstrumente. Auch sind die Lagen ziemlich ausgeglichen, erst in der Höhe werden die Töne leicht scharf und schrill. Man baut sie in verschiedenen Größen, damit ist natürlich ihre Tonhöhe auch verschieden. Die gebräuchlichste Stimmung ist die in B und A, die Baßklarinette wird fast immer in B gebaut. Militärorchester gebrauchen neben der B-Klarinette die kleineren in C, D oder Es. Von ganz besonders schönem Klang ist die Kontrabaßklarinette, die es aber leider nur in ganz wenigen Exemplaren gibt. [...]”

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© Achim Hohlfeld | Internet- und Konzertdienstleistungen | D-44627 Herne | (P) 2010-07-14

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