A-Klarinette kaufen
“Ich habe eine B-Klarinette und nun will ich auch eine A-Klarinette haben. Was muss ich tun?”
Nun, das sind so Fragen! Wie schön wäre es, könnten sie mal eben in Nullkommanix erschöpfend beantwortet werden. Jeder mag da so seine Meinung haben, manche auch ihre eigenen Erfahrungen. Meine ganz persönlichen Gedanken dazu wären diese:
Auch eine A-Klarinette ist eine Klarinette. Für den Kauf solltest Du Dir also dieselben Gedanken machen als wenn Du eine B-Klarinette kaufen wolltest:
- Was ist mir das Hobby wert?
- Wie oft brauche ich sie?
- Wofür brauche ich sie?
(Musikrichtung - Kammermusik, Sinfonieorchester, Zuhausealleinespielen; bleibt es beim Hobby oder wird der Einstieg ins Studium vorbereitet; strebe ich eine Alterskarriere als Amateur-Musiker an)
- Wieviel Geld habe ich zur Verfügung?
Wenn Du in die Zukunft schaust wirst Du Dich fragen müssen, welche Chancen Deine vorhandene B-Klarinette hat, mit Dir alt zu werden und Dich auf diesem Weg glücklich zu machen. Bist Du mit Deiner einigermaßen unzulänglichen Schülerklarinette zufrieden, nutzt es nichts, eine Nonplusultra-A-Klarinette daneben zu stellen. Die Zufriedenheit mit der B-Klarinette wird sofort schwinden. Eine schlechte (oder noch schlechtere) A-Klarinette wird Dich immer ärgern und keinerlei Freude bereiten können; allein der Gedanke an den Umstieg auf die A-Klarinette wird Dich jedes mal frustrieren. Die Entscheidung über den Zukauf einer A-Klarinette ist immer mit der Entscheidung über die Zukunft der vorhandenen B-Klarinette verbunden; leider kann das teuer werden (muss es aber nicht).
Ich kenne Leute, die haben sich mal eine tolle A-Klarinette gekauft (und damit ihre B qualitativ überholt) und sich fest vorgenommen, eines Tages eine ebenso gute B-Klarinette dazu zu kaufen. Dieser Tag ist aber nie gekommen und er wird bei ihnen auch niemals kommen! Sie spielen mit einem Klarinetten-Satz, der nicht zueinander passt und sind immer latent unzufrieden, wollen das aber nicht zugeben. Ich selbst habe diesen Zustand Ende 2004/Anfang 2005 ganze acht Wochen ausgehalten und dann eine neue B-Klarinette (gleiche Firma, gleiches Modell wie die A-Klarinette) gekauft.
Wenn man dann beide Instrumente hat und nutzt, stellt sich die Frage, wie gut sie miteinander harmonieren. Ganz wichtig ist dabei, dass der Umstieg A-B und B-A leicht fällt, also keine allzu große Umstellung erfordert. Das fängt damit an, dass beide Instrumente dasselbe Mundstück und dasselbe Blatt vertragen können sollten. Nun ist zwar die A-Klarinette größer (insbesondere länger) als die B und alleine deswegen werden die Hände/Finger den Unterschied stets bemerken, speziell die rechte Hand; aber sie werden es auch danken, wenn die Mechanik (Applikatur) der beiden Instrumente sich bis auf die unvermeidlichen Größenunterschiede doch verblüffend ähnelt. Auch sollten sich beide Instrumente in puncto Intonationsgenauigkeit und Anblasverhalten möglichst stark ähneln. Die größte Wahrscheinlichkeit, dass dies zutrifft, ist gegeben, wenn man A- und B-Klarinette als Satz kauft, d. h. dass sie in derselben Werkstatt zeitgleich von demselben Meister/Gesellen gefertigt wurden. Selbst modellgleiche Klarinetten derselben Werkstatt mit ein paar Monaten Fertigungsdifferenz können signifikant voneinander abweichen. Und u. a. diese Abweichung hat mich nach anderthalb Jahren bewogen, im Sommer 2006 noch einmal ganz neu zu kaufen. Ein teurer Spaß, aber mehr als das Geld wiegt der Spaß!
Deshalb gilt: Probieren geht über Studieren. Und manchmal ist die schmerzhafte Entscheidung für den größeren Geldbetrag und gegen das liebgewonnene Schülerinstrument diejenige, die einen glücklicher macht. Und die Musik schöner.
Aber das ist nur meine Meinung ...
Was man natürlich auch nicht vergessen darf: Die Klarinette ist nur ein Parameter, um schön(e) Musik zu machen. Nicht weniger wichtig ist die Wahl des zum Instrument passenden Mundstücks, des zu beiden passenden Blattes (Stärke, Schnitt, Firma; ggf. auch Art und Weise der Blattbefestigung) sowie – man selbst!
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A oder B (oder C)?
Folgende Frage erreichte mich per E-Mail
“Hallo Herr Hohlfeld, auf der Suche nach mehr Informationen über die A-Klarinette bin ich auf A-Klarinette.de gestoßen und habe dort schon viel Hilfreiches gefunden. Vielleicht können Sie mir noch ein paar spezielle Fragen beantworten? Ich besitze eine alte A-Klarinette (wahrscheinlich wenigstens 100 Jahre aber voll funktionsfähig), habe vor ca. 20 Jahren C-Klarinette gespielt und möchte nun wieder einsteigen. Am liebsten möchte ich natürlich auf der A lernen. Ist das Ihrer Meinung nach empfehlernswert bzw. möglich? Gibt es eine A-Klarinettenschule? Für einige Tipps und Ratschläge wäre ich Ihnen äußert dankbar ...”
und gab mir Anlaß, Folgendes aufzuschreiben:
... Schön, daß Sie wieder zur Klarinette finden wollen.
A-, B- und C-Klarinette gehören in der großen Klarinettenfamilie zur Gruppe der Sopranklarinetten und unterscheiden sich zwar, jedoch nicht grundlegend. Im Vergleich zu den notierten Noten klingt die C-Klarinette wie notiert, die B-Klarinette zwei Halbtöne und die A-Klarinette drei Halbtöne tiefer. Daher unterscheiden sie sich vorwiegend in der Länge (je tiefer - je länger), und dadurch auch in der Griffweite, vor allem für die rechte Hand.
So gibt es keine speziellen Schulen für die A, B oder C-Klarinette. Jede handelsübliche Klarinettenschule sollte für jede der drei tauglich sein, solange ohne Klavierbegleitung genutzt.
Die meiste Literatur jenseits der Lehrwerke ist für die am weitesten verbreitete B-Klarinette geschrieben (die Lehrwerke übrigens auch, was aber zunächst zweitrangig ist). Kammermusik und Sinfonik, meist wenn Streicher dabei sind, erfordern oft (vielleicht in 2/5 aller Fälle) die A-Klarinette, selten die C-Klarinette.* Die C-Klarinette wiederum wird neuerdings für junge Anfänger (bis 10 Jahren) genutzt, da die Hände dann meist noch zu klein für die B-Klarinette sind. Sie eignet sich vor allem auch für jene, die Populärmusik aus der Sing- oder Flötenstimme spielen wollen, weil die in C notiert sind und nur selten eine Stimme in B beigefügt haben (worauf man dann beim Kauf achten sollte oder man lernt das Transponieren "vom Blatt", was aber nicht jedermanns Sache ist).
Zum Wiedereinstieg empfehle ich im Übrigen sehr, den Rat von jemandem einzuholen, der sich damit auskennt ("Lehrer"). Das zahlt sich auf jeden Fall aus!
* Das ist eine wenig beliebte und nie enden wollende Diskussion unter Experten und Praktikern:
Soll man den Stimmungsvorgaben der Komponisten unbedingt folgen, oder darf man auch die ungewohntere, im eigenen Bestand nicht vorhandene oder im spielerischen Zusammenhang etwas ungünstig einzusetzende A- bzw. C-Klarinette durch die - stets verfügbare und gewohnte - B-Klarinette ersetzen?
Festzuhalten ist, daß es unterschiedliche Beweggründe für die Einzeichnung dieser oder jener Stimmung gibt: Die Instrumentalisten der Uraufführung hatten nur diese oder jene Klarinette; für die Instrumentalisten war diese oder jene Klarinette, in Ermangelung moderner ausgefeilter Klappenmechanik, in der vorgesehenen Tonart leichter zu spielen (Johannes Brahms wollte z. B. in der 3. Sinfonie einfach nicht mehr als 3 Vorzeichen angeben); der Komponist wollte den spezifischen Klangcharakter der A-, B- oder C-Klarinette gezielt einsetzen. Nicht in allen Fällen läßt sich heute die Intention der Komponisten zweifelsfrei erkunden. Allen Zweiflern zum Trotz bin ich aber als Praktiker zutiefst davon überzeugt, daß es klangliche Unterschiede zwischen den drei Klarinetten gibt, daß dasselbe Stück mit unterschiedlich gestimmten Instrumenten unterschiedliche Charaktere bekommt (besonders ausgeprägt bei Verwendung der C-Klarinette) und intelligente Handwerkskunst beim Klarinettenbau diese Charaktermerkmale sehr gut herauszuarbeiten weiß.
Wer’s kann, sollte sich an den originalen Notentext halten und offen für das Klangergebnis sein! (Mir war dies immerhin den zusätzlichen Kauf einer C-Klarinette wert.)
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